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Die Geschichte der Stadt Stuttgart

Stuttgart wurde stark von den Vorlieben und Charakteren seiner Regenten geprägt. Bereits der Anfang der Stadt ging auf die Liebhaberei eines Adeligen zurück. Herzog Liutolf von Schwaben ließ hier im Jahre 950 ein Gestüt, damals „Stuotgarten“ genannt, anlegen.
Von da an wurde der Ort besiedelt und entwickelte sich vor allem Dank hervorragender landwirtschaftlicher Bedingungen rasch. Im Jahr 1219 erwarb Stuttgart das Stadtrecht.

1315 machte Eberhard Graf I. Stuttgart zur Residenzstadt von Württemberg. Er wurde nach seinem Tod in der Stiftskirche beerdigt, wo seine Grabstätte heute noch zu besichtigen ist.
1495 wurde Württemberg zum Herzogtum ernannt und Stuttgart nun zum Sitz des Herzogs. In dieser Zeit begann allerdings auch die erste schwere politische Krise. Verschwendungssucht und teure Feldzüge von Herzog Ulrich von Württemberg trieben die Steuern in die Höhe, was wiederum den Zorn der Bauern entfachte. 1514 kam es zu einem Aufstand, der unter der Bezeichnung „Armer Konrad“ in die Geschichte einging. Er wurde auf grausame Weise niedergeschlagen.

Etwa hundert Jahre später war es der Dreißigjährige Krieg, der die Stadt Stuttgart ins Elend trieb. Zerstörung, Hunger und Seuchen ließen die Einwohnerzahl schrumpfen und konnten nach Ende des Krieges 1648 nur langsam überwunden werden. Doch schon 50 Jahre später war Herzog Eberhard Ludwig bereits wieder in der Verfassung, Baupläne zu entwickeln, die dem damals größten Schloss Europas in Versailles nacheiferten. In den folgenden Jahren wurde das Residenzschloss Ludwigsburg erbaut, das zeitweise auch Regierungssitz von Württemberg wurde.

Ludwigs Sohn Carl Eugen wollte den Vater an Eifer offensichtlich übertrumpfen. Er holte die Residenz nach Stuttgart zurück und ließ gleich drei neue Schlösser erbauen, das Schloss Solitude, das Neue Schloss und das Schloss Hohenheim. Carl Eugen begründete außerdem die Karlsschule im Schloss Solitude, eine Kadettenanstalt für Söhne aus „besserem Hause“. Der berühmteste Schüler sollte Friedrich Schiller werden. Er schrieb in der Karlsschule sein Erstlingswerk „Die Räuber“.
Carl Eugens omnipotente Träume äußerten sich auch noch auf andere Weise: Neben 13 nachweislich leiblichen Kindern, wovon nur eines ehelich gezeugt war, bekannte sich der Herzog insgesamt zu 77 Söhnen, die angeblich seiner Zeugungskraft entstammten.

1806 wurde das Herzogtum Württemberg zum Königreich ernannt, und der erste württembergische König Friedrich I. baute nun die Stadt selbst zum würdigen Regierungssitz aus. Unter seiner Herrschaft wurde die Königstraße (Friedrichvorstadt) die Charlottenstraße und die Tübinger Vorstadt erbaut.

Auch die Thronfolger von Friedrich I. erwiesen sich als fortschrittliche Monarchen. So förderte Wilhelm I. die Landwirtschaft, die seit Beginn der Stadtgründung wesentlich zum Reichtum Stuttgarts beigetragen hat. Zudem ließ er das Wilhelmspalais, das Katharinenhospital und die Staatsgalerie errichten. Als Freund der schönen Künste widmete sich Wilhelm I. auch den Literaten und holte namhafte Autoren wie Ludwig Uhland, Wilhelm Hauff und Eduard Mörike nach Stuttgart. Mit der Übersiedlung des Verlegers Cotta von Tübingen nach Stuttgart, wurde die Stadt zum Zentrum der deutschen Literatur.

Sein Nachfolger König Karl machte sich um den technischen Fortschritt von Stuttgart verdient. Mit der Einrichtung des ersten Stuttgarter Bahnhofs gab er vor allem dem Industrialisierungsprozess der Stadt einen wirksamen Anschub. König Karl, der bis zu seinem Tod im Jahr 1891 regierte, galt als sozial und freigeistig. Er scheute sich nicht einmal, seine homosexuellen Neigungen zu einem jungen Amerikaner zu zeigen, was zwischenzeitlich für einen Skandal sorgte, von dem das ganze Reich sprach.
Sein größtes Verdienst blieb jedoch der Aufschwung Stuttgarts unter seiner Herrschaft. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden immer mehr Fabriken in Stuttgart gegründet, darunter die später weltberühmten Firmen Bosch (gegr. 1886 in Stuttgart) und Daimler (gegr. 1890 in Cannstatt) In dieser Zeit entstanden auch die ersten großen Wohnsiedlungen, praktisch die Vorläufer des sozialen Wohnungsbaus. Dazu gehörten das Postdörfle, das Eisenbahnerdörfle und die Kolonie Ostheim. Karls Neffe war der letzte König Württembergs. Er dankte nach der Novemberrevolution 1918 ab. 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts vergrößerte Stuttgart sich durch Eingemeindungen der umliegenden Ortschaften, darunter Cannstatt und Degerloch. Vor dem ersten Weltkrieg wurden das Theater und die Oper errichtet. Die Stuttgarter Kunstschule wurde zum Begründer einer modernen Architektur. Der dortige Dozent Theodor Fischer entwarf u.a. das Kunstgebäude und die moderne Erlöserkirche. Sein Schüler Paul Bonatz arbeitete über mehrere Jahrzehnte das Projekt für den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof aus.
Unter der Feder berühmter Architekten wie Walter Gropius, Mies van der Rohe und Le Corbusier entstanden weitere Bauten, die den modernsten Konzepten der Baukunst folgten, darunter die Weißenhofsiedlung, die für die Werkbundausstellung 1927 entworfen wurde.

Ein besonderes Kapitel der Geschichte Stuttgarts ist die Geschichte der Stuttgarter Juden. Bereits unter König Wilhelm I., der die „israelitische Glaubensgemeinschaft“ ausdrücklich einlud, in Stuttgart zu leben, wuchs die Zahl der Stuttgarter Juden rasant. Ende der 20er Jahre lebten 4.500 Juden in Stuttgart. Viele von ihnen hatten den kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt mitgeprägt. Offensichtlich erkannten gerade die Stuttgarter Juden die Gefahr des Antisemitismus früher als ihre Schicksalsgenossen in anderen Städten. An die zweitausend konnten rechtzeitig ins Exil fliehen und so der Deportation entkommen, wenngleich sie auch in den meisten Fällen ihren gesamten persönlichen Besitz verloren.

Im zweiten Weltkrieg sollte Stuttgart als Heimat der „Auslandsdeutschen“ ausgebaut werden, die man „heim ins Reich“ holen wollte. Doch daraus wurde nicht viel. Stattdessen zerstörten die Luftangriffe der Alliierten etwa sechzig Prozent der Stuttgarter Bausubstanz, zirka 4.500 Stuttgarter verloren bei den Angriffen das Leben.

Nach dem Krieg war Stuttgart der Zufluchtsort zahlreicher Flüchtlinge und Umsiedler, die einen großen Teil zum Wiederaufbau der Stadt beitrugen.
Stuttgart sollte als autogerechte Stadt mit großen Wohnungskapazitäten errichtet werden. Diesen ehrgeizigen Projekten fielen auch einige historische Bauten zum Opfer.

Dafür entstand 1955 die erste Einkaufspassage Deutschlands in der Schulstraße. Unter der neueren Architektur zeichnen sich u.a.  der Fernsehturm, die neue Staatsgalerie und die Musikhochschule aus.

Als Hauptstadt des Landes Baden-Württemberg wurde Stuttgart bald zum Wirtschafts- und Kulturzentrum des Landes. Mit der Eröffnung des Neckarhafens besitzt Stuttgart seit 1958 auch einen Anschluss zum europäischen Wassernetz.

Heute leben in Stuttgart etwas mehr als eine halbe Millionen Einwohner. Stuttgart ist eine Universitäts- und Kulturstadt und gehört zu den bedeutendsten Wirtschaftsstandorten von Deutschland. Stuttgart steht auf der Top Ten Liste der meistbesuchten Städte Deutschlands und liegt dort derzeit auf Platz 8.


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